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Zugkombinationen

Führen von Zugkombinationen mit den Klassen C1E, BE und der "alten" Klasse 3

Die Regelungen der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) ab 19.01.2013

 

Aufgrund der Komplexität des Führerscheinrechts sind viele Führerscheininhaber verunsichert, ob sie mit Ihrem „alten“ grauen oder rosa Führerschein auch neuere Fahrzeugkombinationen fahren dürfen; ob sie den Führerschein umschreiben lassen sollten oder sogar müssen oder ob sie nach Umschreibung ihre alten Rechte verlieren?!

Am 19.01.2013 wurde die sog. 3. EU-Richtlinie über den Führerschein in der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) umgesetzt, welche Änderungen in den Umfängen der Fahrerlaubnisklassen noch sich zog.

Um den Unterschied zwischen altem und neuem Recht zu verstehen, muss man einige Grundsätze kennen:

  • Das EU-Führerscheinrecht mit den neuen Fahrzeugklassen betrachtet Zugkombinationen grundsätzlich getrennt voneinander. Somit wird die Separation von Zugfahrzeug und Anhänger taxiert. 
  • Unter dem Begriff „zulässige Gesamtmasse“ und damit zur Ermittlung der erforderlichen Fahrerlaubnisklasse wird nach dem Gesetz, ausschließlich die in den Fahrzeugpapieren festgelegte zulässige Gesamtmasse (zulässiges Gesamtgewicht) der Einzelfahrzeuge verstanden. 
  • Zur Ermittlung, welche Fahrerlaubnisklasse für die Zugkombination erforderlich ist, sind somit weder Angaben über die zulässigen Anhängelasten, Stütz- oder Aufliegelasten, noch Hinweise auf die (technisch) zulässige Gesamtmasse der Fahrzeugkombination heranzuziehen. Es ist alleinig die zulässigen Gesamtmassen der Einzelfahrzeuge, unter Berücksichtigung der genannten Bedingungen innerhalb der Fahrerlaubnisverordnung.

Somit ermittelt sich das fahrerlaubnisrelevante zulässige Gesamtgewicht einer Fahrzeugkombination durch Addition der zulässigen Gesamtmassen. Gleichgültig, ob ein herkömmlicher Anhänger, ein Starrdeichselanhänger oder ein Sattelanhänger verwendet wird. Stützlasten, Aufliegelasten usw. kommen nicht zum Abzug.

Eine Ausnahme bildet die Besitzstandsregelung zur Berücksichtigung des alten Fahrerlaubnisrechts der StVZO. 

Bei der Umschreibung der alten Fahrerlaubnis der Klasse 3 wird die Klasse CE beschränkt auf die Schlüsselnummer CE 79. 

 

Umschreibung der Fahrerlaubnisklassen

 

Die Umschreibung der Fahrerlaubnisklassen ist zurzeit freiwillig. Jedoch müssen bis zum 18.01.2033 alle alten Führerscheine in einen EU- Scheckkartenführerschein umgetauscht werden. Die alten Rechte aus der bisherigen Fahrerlaubnis bleiben grundsätzlich erhalten (Besitzstandswahrung) und werden bei einer Umschreibung in die EU- Führerscheinklassen entsprechend berücksichtigt. Einschränkungen ergeben sich jedoch bei bestimmten Klassen ab dem 50. Lebensjahr.

Inhaber der Fahrerlaubnisklasse 3 

erhalten bei der Umstellung (neben der Fahrerlaubnis der Klassen B und BE für Kraftfahrzeuge bis 3,5 t mit Anhänger) automatisch auch die Klassen C1 und C1E. Mit dieser neuen Fahrerlaubnis dürfen Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse bis 7,5 t und Züge bis 12 t gefahren werden. Dabei gibt es keine zeitliche Befristung und keine Notwendigkeit regelmäßiger ärztlicher Gesundheitsuntersuchungen.

Soll der volle Umfang der bisherigen Klasse 3 (Züge mit max. 3 Achsen bis max. 18,5 t zulässiger Gesamtmasse; Sattelkraftfahrzeuge bis 7,5 t zul. Gesamtmasse) erhalten bleiben, muss diese Umstellung gesondert beantragt werden. Hierbei wird die Fahrerlaubnis der Klasse CE (eingeschränkt auf den bisherigen vollen Klasse 3-Umfang) erteilt, welche bis zur Vollendung des 50. Lebensjahr befristet werden. Eine Verlängerung um jeweils 5 Jahre ist möglich. Zur Umstellung und zur Verlängerung sind eine ärztliche Untersuchung und eine Überprüfung des Sehvermögens erforderlich.

Ohne Umstellung der Klasse 3 erlischt mit Erreichen des 50. Lebensjahres die Berechtigung für die eingeschränkte Klasse CE.

Inhaber der Fahrerlaubnisklasse 2

  • müssen ihren Führerschein ebenfalls mit Vollendung des 50. Lebensjahres umstellen lassen. Ohne ärztliche Gesundheitsuntersuchung und Überprüfung des Sehvermögens dürfen keine Kraftfahrzeuge der Klasse 2 mehr gefahren werden.
  • Bei jüngeren Fahrerlaubnisinhaber bis zum 50. Lebensjahr wird im Zuge der Umstellung die Fahrerlaubnis der Klasse 2 auf die Klassen C und CE jeweils auf 5 Jahre befristet. Eine ärztliche Untersuchung und eine Überprüfung des Sehvermögens sind zur Umstellung und zur Verlängerung erforderlich. 
  • Eine ärztliche Gesundheitsuntersuchung darf vom Hausarzt durchgeführt werden, die Überprüfung des Sehvermögens muss durch einen Augenarzt bzw. Arbeits- oder Betriebsmediziner erfolgen.

Grundsätzliche Regelungen für Zugkombinationen nach EU- Recht:

  • Hinter jeder Soloklasse darf grundsätzlich ein Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse (zGM) von max. 750 kg mitgeführt werden. 
  • Die Anzahl der Achsen der Zugkombination spielen dabei keine Rolle.
  • Für Zugkombinationen, die noch unter die Klasse B fallen, gilt ab 19.01.2013 folgende Bedingung
    • Die zGM der Zugkombination muss < 3,5 t sein, wenn die zGM des Anhängers > 750 kg ist.
    • Wird diese Bedingung nicht erfüllt, so ist die Klasse BE erforderlich.

Hinweis: Inhaber der Klasse B, denen diese Fahrerlaubnis vor dem 19.01.2013 erteilt wurde, erhalten diesen neuen erweiterten Umfang der Zugkombinationsregelung automatisch ab dem Inkrafttreten der neuen FeV zum 19.01.2013 ohne ihren Führerschein umtauschen zu müssen.

  • Mit Wirkung zum 19.01.2013 ist zusätzlich die Klasse B96 eingeführt worden. Sie kann im Rahmen einer Fahrerschulung durch eine Fahrschule erworben werden und erweitert die Zugkombinationsmöglichkeiten der Klasse B. Mit der Klasse B96 können Zugkombinationen mit einer zGM über 3,5 t bis 4,25 t gefahren werden.
  • Für Zugkombinationen der Klasse BE gilt ab 19.1.2013 folgende Bedingung:
    • Die zGM des Anhängers darf 3,5 t nicht überschreiten, ansonsten ist die Klasse C1E erforderlich.
    • Die bis zum 19.1.2013 geltende Regelung, dass mit der Klasse BE auch Anhänger mit einer zGM > 3,5 t gefahren werden dürfen (z.B. sog. Mini- Sattelkfz),  bleibt den Inhabern der Klasse BE, denen diese Fahrerlaubnis vor dem 19.1.2013 erteilt wurde, erhalten.  (Hierbei ergibt sich die Begrenzung der zGM lediglich durch die gesetzlichen Regelungen und technischen Grenzen der Bau- und Betriebsvorschriften der Straßenverkehrszulassungsordnung StVZO).
  • Für Zugkombinationen der Klasse C1E gilt ab 19.1.2013 folgende Bedingung:
    • Die zGM der Zugkombination muss 12t sein. 

Hinweis: Inhaber der Klasse C1E, denen diese Fahrerlaubnis vor dem 19.1.2013 erteilt wurde, erhalten diesen neuen erweiterten Umfang der Zugkombinationsregelung automatisch ab dem Inkrafttreten der neuen FeV zum 19.1.2013 ohne ihren Führerschein umtauschen zu müssen.

Zugkombinationen der Klasse CE (Schl. Nr. 79) nach Umschreibung der Klasse 3 

 

  • Für den Inhaber einer alten Klasse 3 mit einer umgeschriebenen Fahrerlaubnis CE (Schlüsselnummer 79) gilt der alte Besitzstand.
  • Schlüsselnummer nach Anlage 9 der FeV: 79 (C1E > 12 000 kg, L3)

Beschränkung der Klasse CE aufgrund der aus der bisherigen Klasse 3 resultierenden Berechtigung zum Führen von dreiachsigen Zügen mit einem Zugfahrzeug der Klasse C1 und mehr als 12 000 kg Gesamtmasse und von Zügen mit Zugfahrzeug der Klasse C1 und zulassungsfreien Anhängern, wobei die Gesamtmasse mehr als 12 000 kg betragen kann und dreiachsigen Zügen aus einem Zugfahrzeug der Klasse C1 und einem Anhänger, bei denen die zulässige Gesamtmasse des Anhängers die Leermasse des Zugfahrzeugs übersteigt (nicht durch C1E abgedeckter Teil). Die vorgenannten Berechtigungen gelten nicht für Sattelkraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse von mehr als 7,5 t. Der Buchstabe L steht in dieser Schlüsselung für die Anzahl der Achsen (Tandemachse < 1m Achsabstand = 1 Achse).

Wichtig!
Die Berechnung der zulässigen Gesamtmasse der Sattelkraftfahrzeuge erfolgt in diesem Fall nach altem Fahrerlaubnisrecht gemäß § 34 Abs. 7 StVZO (zGM Sattelzugmaschine + zGM Sattelanhänger der jeweils höheren Aufliegelast). 

Führen von Zugkombinationen mit den Klassen C1E und 3

Zur Ermittlung der erforderlichen Fahrerlaubnis einer vorliegenden Zugkombination können zwei Fälle unterscheiden werden:

Fall 1:   - Inhaber einer Fahrerlaubnis nur der Klassen BE, C1 und C1E 

Fall 2:   - Inhaber der Fahrerlaubnis BE, C1 und C1E und zusätzlich der Klasse CE (mit Schlüsselnummer 79); nach Umschreibung der alten Klasse 3

Bin ich im Besitz der neuen Fahrerlaubnisklassen BE, C1 und C1E, da der Führerschein erst ab 1999 erworben wurde, kann ausschließlich das EU Recht zur Ermittlung der Fahrerlaubnis herangezugen werden.

Bin ich zusätzlich im Besitz der Klasse CE (Schlüsselnummer 79) kann auch das alte Recht (Besitzstand) in Anspruch genommen werden

Wichtig!

Beide Rechte (EU-Recht und altes Führerscheinrecht) dürfen nicht miteinander vermischen. Mit der Schlüsselnummer CE 79 wird ausschließlich der alte Besitzstand festgeschrieben.

Zugkombinationen mit dem Pkw

 

Zugkombinationen der Klasse B

  • Kraftfahrzeug zur Beförderung von max. 8 Personen außer dem Fahrzeugführer; bis 3500 kg zulässige Gesamtmasse;
    • mit Anhängern bis 750 kg zulässige Gesamtmasse (Kombination 4250 kg zulässige Gesamtmasse)
    • auch Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse über 750 kg, dann beträgt die zulässige Gesamtmasse der Kombination maximal 3500 kg  

 

Zugkombinationen der Klasse B96

  • Kraftfahrzeug zur Beförderung von max. 8 Personen außer dem Fahrzeugführer; bis 3500 kg zulässige Gesamtmasse;
    • auch Anhänger mit einer zulässigen Gesamtmasse über 750 kg,
    • zulässige Gesamtmasse der Kombination über 3500 kg und maximal 4250 kg der Kombination

 

Zugkombinationen der Klasse BE

  • Kraftfahrzeug zur Beförderung von max. 8 Personen außer dem Fahrzeugführer; bis 3500 kg zulässige Gesamtmasse;
    • zulässige Gesamtmasse des Anhängers über 750 kg und bis 3500 kg
    • bei einer zulässigen Gesamtmasse des Anhängers > 3500 kg ist die Klasse C1E erforderlich
    • Kombination bis 7000 kg